Unternehmensbilanz

Die Bilanz ist eine aus zwei Spalten bestehende Tabelle. Die linke Seite (Aktiva) listet die Zwecke und deren Geldwert, die rechte Seite (Passiva) Mittelherkunft und deren Geldwert auf. Da alle Zwecke der linken Seite von den Mitteln der rechten Seite finanziert werden müssen, so muss auch die Summe beider Seiten gleich sein.

Bei allen Zwecken und Mitteln handelt es sich jeweils um Bestandskonten (im Gegensatz zu Erfolgskonten in der Gewinn- und Verlustrechnung).

Die Zwecke auf der Aktiva Seite sind aktive Bestandskonten, die Mittel auf der Passiva Seite sind passive Bestandskonten.

Aktive Bestandskonten führen Zugänge im Soll und Abgänge im Haben auf.

Passive Bestandskonten führen Abgänge im Soll und Zugänge im Haben auf.

Unternehmensbilanz in der Bundesrepublik Deutschland nach $ 266 HGB

In der Bundesrepublik Deutschland haben Kapitalgesellschaften mit Bilanzierungspflicht ihre Bilanz am § 266 des Handelsgesetzbuches (HGB) auszurichten.

Auszug aus dem § 266 HGB:

[…]

(2) Aktivseite

A.Anlagevermögen:
I.Immaterielle Vermögensgegenstände:
1.Selbst geschaffene gewerbliche Schutzrechte und ähnliche Rechte und Werte;
2.entgeltlich erworbene Konzessionen, gewerbliche Schutzrechte und ähnliche Rechte und Werte sowie Lizenzen an solchen Rechten und Werten;
3.Geschäfts- oder Firmenwert;
4.geleistete Anzahlungen;
II.Sachanlagen:
1.Grundstücke, grundstücksgleiche Rechte und Bauten einschließlich der Bauten auf fremden Grundstücken;
2.technische Anlagen und Maschinen;
3.andere Anlagen, Betriebs- und Geschäftsausstattung;
4.geleistete Anzahlungen und Anlagen im Bau;
III.Finanzanlagen:
1.Anteile an verbundenen Unternehmen;
2.Ausleihungen an verbundene Unternehmen;
3.Beteiligungen;
4.Ausleihungen an Unternehmen, mit denen ein Beteiligungsverhältnis besteht;
5.Wertpapiere des Anlagevermögens;
6.sonstige Ausleihungen.
B.Umlaufvermögen:
I.Vorräte:
1.Roh-, Hilfs- und Betriebsstoffe;
2.unfertige Erzeugnisse, unfertige Leistungen;
3.fertige Erzeugnisse und Waren;
4.geleistete Anzahlungen;
II.Forderungen und sonstige Vermögensgegenstände:
1.Forderungen aus Lieferungen und Leistungen;
2.Forderungen gegen verbundene Unternehmen;
3.Forderungen gegen Unternehmen, mit denen ein Beteiligungsverhältnis besteht;
4.sonstige Vermögensgegenstände;
III.Wertpapiere:
1.Anteile an verbundenen Unternehmen;
2.sonstige Wertpapiere;
IV.Kassenbestand, Bundesbankguthaben, Guthaben bei Kreditinstituten und Schecks.
C.Rechnungsabgrenzungsposten.
D.Aktive latente Steuern.
E.Aktiver Unterschiedsbetrag aus der Vermögensverrechnung.

(3) Passivseite

A.Eigenkapital:
I.Gezeichnetes Kapital;
II.Kapitalrücklage;
III.Gewinnrücklagen:
1.gesetzliche Rücklage;
2.Rücklage für Anteile an einem herrschenden oder mehrheitlich beteiligten Unternehmen;
3.satzungsmäßige Rücklagen;
4.andere Gewinnrücklagen;
IV.Gewinnvortrag/Verlustvortrag;V.Jahresüberschuß/Jahresfehlbetrag.
B.Rückstellungen:
1.Rückstellungen für Pensionen und ähnliche Verpflichtungen;
2.Steuerrückstellungen;
3.sonstige Rückstellungen.
C.Verbindlichkeiten:
1.Anleihen
davon konvertibel;
2.Verbindlichkeiten gegenüber Kreditinstituten;
3.erhaltene Anzahlungen auf Bestellungen;
4.Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen;
5.Verbindlichkeiten aus der Annahme gezogener Wechsel und der Ausstellung eigener Wechsel;
6.Verbindlichkeiten gegenüber verbundenen Unternehmen;
7.Verbindlichkeiten gegenüber Unternehmen, mit denen ein Beteiligungsverhältnis besteht;
8.sonstige Verbindlichkeiten,davon aus Steuern,davon im Rahmen der sozialen Sicherheit.
D.Rechnungsabgrenzungsposten.
E.Passive latente Steuern.

Geschichte

Nach dem Allgemeinen Landrecht für die Preußischen Staaten (1794) wurden Bankrottere, die keine regelmäßige Bilanz aufgestellten als “fahrlässige Bankrotteure eingestuft und bestraft. [1]Nauck, Gottfried Carl (Hrsg.): Allgemeines Landrecht für die Preußischen Staaten. Neue Ausgabe, Allgemeines Landrecht für die Preußischen Staaten, Bd. 4, Berlin: 1804, S. 691 f.

Auszug aus dem Allgemeinen Landrecht für die Preußischen Staaten:[2]Nauck, Gottfried Carl (Hrsg.): Allgemeines Landrecht für die Preußischen Staaten. Neue Ausgabe, Allgemeines Landrecht für die Preußischen Staaten, Bd. 4, Berlin: 1804, S. 691 f.

[…]

c) fahrlässiger.

§. 1466. Wer zu einer Zeit, da er weiß, daß sein Vermögen zur Bezahlung seiner Schulden nicht mehr hinreiche, aber noch Hoffnung hat, daß selbiges sich im Kurzen verbessern werde, mit Verheimlichung seiner Vermögensumstände neue Schulden macht, und dadurch den Verlust seiner Gläubiger vergrößert, soll als ein fahrlässiger Bankerutirer angesehen werden.

[…]

§. 1468. Ein Kaufmann, welcher entweder gar keine ordentlichen Bücher führt, oder die Balance seines Vermögens, wenigstens alljährlich einmal, zu ziehen unterläßt, und sich dadurch in Unwissenheit über die Lage seiner Umstände erhält, wird bey ausbrechendem Zahlungsunvermögen als ein fahrlässiger Bankerutirer bestraft.

§. 1469. Ein solcher fahrlässiger Bankerutirer (§. 1466-1468.) wird, wenn er in einem öffentlichen Amte steht, dieses Amtes, und wenn er ein Jude ist, seines Schutzprivilegii, so wie ein anderer Kaufmann aller kaufmännischen Rechte, verlustig: also daß er ohne besondere Erlaubniß keinen Handel weiter treiben darf.

[…]

Quellenangaben

Quellenangaben
1, 2 Nauck, Gottfried Carl (Hrsg.): Allgemeines Landrecht für die Preußischen Staaten. Neue Ausgabe, Allgemeines Landrecht für die Preußischen Staaten, Bd. 4, Berlin: 1804, S. 691 f.

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