Vorkriegsdiplomatie 25.08. – 31.09.1939 (Zweiter Weltkrieg: Westfront)

Vorgeschichte & Ursachen

Siehe Deutsch-polnische Streitigkeiten 1919-1939.

Vorkriegsdiplomatie

Am 25. August 1939 traf sich Adolf Hitler um 13:30 Uhr[1]Auswärtiges Amt: Dokumente zur Vorgeschichte des Krieges, Berlin: Carl Heymanns Verlag 1939, Dokument Nr. 457, S. 293 f. mit dem Britischen Botschafter.[2]Woodward, E. L. / Butler, Rohan (Hrsg.): Documents on British Foreign Policy 1919-1939, London: HMSO 1954, Document No. 283, S. 227 ff. [3]Auswärtiges Amt: Dokumente zur Vorgeschichte des Krieges, Berlin: Carl Heymanns Verlag 1939, Dokument Nr. 457, S. 293 f. Zuerst beschwerte sich Hitler über Grenzverletzungen durch Polen in der letzten Nacht und den Beschuss von Verkehrsflugzeugen.[4]Woodward, E. L. / Butler, Rohan (Hrsg.): Documents on British Foreign Policy 1919-1939, London: HMSO 1954, Document No. 283, S. 227 ff. [5]Auswärtiges Amt: Dokumente zur Vorgeschichte des Krieges, Berlin: Carl Heymanns Verlag 1939, Dokument Nr. 457, S. 293 f. Er stellte in diesem Zusammenhang die Kontrolle der polnischen Regierung über ihre eigenes Militär in Frage.[6]Woodward, E. L. / Butler, Rohan (Hrsg.): Documents on British Foreign Policy 1919-1939, London: HMSO 1954, Document No. 283, S. 227 ff. [7]Auswärtiges Amt: Dokumente zur Vorgeschichte des Krieges, Berlin: Carl Heymanns Verlag 1939, Dokument Nr. 457, S. 293 f. Daraufhin betonte er, dass das Problem mit Polen an der Ostgrenze gelöst werden müsse und er im Fall einer Lösung bereit wäre größere Vereinbarungen in Bündnis-ähnlicher Form mit Großbritannien einzugehen, dies sei sein letzter Vorschlag.[8]Woodward, E. L. / Butler, Rohan (Hrsg.): Documents on British Foreign Policy 1919-1939, London: HMSO 1954, Document No. 283, S. 227 ff. [9]Auswärtiges Amt: Dokumente zur Vorgeschichte des Krieges, Berlin: Carl Heymanns Verlag 1939, Dokument Nr. 457, S. 293 f.

Am Nachmittag[10]Woodward, E. L. / Butler, Rohan (Hrsg.): Documents on British Foreign Policy 1919-1939, London: HMSO 1954, Document No. 309, S. 249 f. des 25. August schlossen Großbritannien und Polen einen gegenseitigen Beistandsvertrag ab.[11]Auswärtiges Amt: Dokumente zur Vorgeschichte des Krieges, Berlin: Carl Heymanns Verlag 1939, Dokument Nr. 459, S. 294 ff.

Auszug aus dem Vertrag:[12]Auswärtiges Amt: Dokumente zur Vorgeschichte des Krieges, Berlin: Carl Heymanns Verlag 1939, Dokument Nr. 459, S.294 ff.

[…]

Artikel l
Sollte eine der Vertragsparteien in Feindseligkeiten mit einer europäischen Macht verwickelt werden, und zwar infolge eines Angriffs der letzteren auf diese Vertragspartei, so wird die andere Vertragspartei der in Feindseligkeiten verwickelten Vertragspartei sofort jede Unterstützung und jeden Beistand gewähren, die in ihrer Macht stehen

[…]

Am 26. August sandte der französische Ministerpräsident Daladier dem deutschen Reichskanzler Adolf Hitler ein Schreiben, in dem er vorschlug, “daß ein letzter Versuch einer friedlichen Lösung zwischen Deutschland und Polen” vorgenommen werden solle.[13]Auswärtiges Amt: Dokumente zur Vorgeschichte des Krieges, Berlin: Carl Heymanns Verlag 1939, Dokument Nr. 460, S. 296 f.

Am nächsten Tag, dem 27. August, äußert Hitler in seiner Antwort Skepsis gegenüber dem polnischen Verhandlungswillen:[14]Auswärtiges Amt: Dokumente zur Vorgeschichte des Krieges, Berlin: Carl Heymanns Verlag 1939, Dokument Nr. 461, S. 297 f.

[…]

Alles, was Sie in Ihrem Brief, Herr Daladier schreiben, empfinde ich genau so wie Sie. Vielleicht können gerade wir uns als alte Frontsoldaten auf manchen Gebieten am leichtesten verstehen, allein ich bitte Sie, verstehen Sie auch dies: daß es für eine Nation von Ehre unmöglich ist, auf fast 2 Millionen Menschen zu verzichten und sie an seinen eigenen Grenzen mißhandelt zu sehen. Ich habe daher eine klare Forderung aufgestellt: Danzig und der Korridor müssen an Deutschland zurück. Die mazedonischen Zustände an unserer Ostgrenze müssen beseitigt werden. Ich sehe keinen Weg, Polen, das sich ja nun im Schutze seiner Garantien unangreifbar fühlt, hier zu einer friedlichen Lösung bewegen zu können.

[…]

Am selben Tag entschied sich die polnische Regierung zur unverzüglichen “vollständigen Mobilmachung,”[15]Woodward, E. L. / Butler, Rohan (Hrsg.): Documents on British Foreign Policy 1919-1939, London: HMSO 1954, Document No. 391, S. 311. was jedoch keiner Generalmobilmachung entsprach.[16]Woodward, E. L. / Butler, Rohan (Hrsg.): Documents on British Foreign Policy 1919-1939, London: HMSO 1954, Document No. 405, S. 321. [17]Woodward, E. L. / Butler, Rohan (Hrsg.): Documents on British Foreign Policy 1919-1939, London: HMSO 1954, Document No. 415, S. 326.

Am 28. August mobilisierte Polen (weitere) Teile seiner Armee.[18]Woodward, E. L. / Butler, Rohan (Hrsg.): Documents on British Foreign Policy 1919-1939, London: HMSO 1954, Document No. 424, S. 329 f.

Am 28. August um 22:30 in der Reichskanzlei[19]Woodward, E. L. / Butler, Rohan (Hrsg.): Documents on British Foreign Policy 1919-1939, London: HMSO 1954, Document No. 501, S. 386 ff. überreichte der Britische Botschafter im Namen der Britische Regierung eine Antwort auf den von Hitler am 25. August gemachten Vorschlag (siehe oben). [20]Woodward, E. L. / Butler, Rohan (Hrsg.): Documents on British Foreign Policy 1919-1939, London: HMSO 1954, Document No. 455, S. 351 ff. [21]Woodward, E. L. / Butler, Rohan (Hrsg.): Documents on British Foreign Policy 1919-1939, London: HMSO 1954, Document No. 501, S. 386 ff. [22]Auswärtiges Amt: Dokumente zur Vorgeschichte des Krieges, Berlin: Carl Heymanns Verlag 1939, Dokument Nr. 463, S. 299 f. Großbritannien äußert darin Bereitschaft über eine Lösung der deutsch-polnischen Streitfragen zu reden.[23]Woodward, E. L. / Butler, Rohan (Hrsg.): Documents on British Foreign Policy 1919-1939, London: HMSO 1954, Document No. 426, S. 330 ff. [24]Woodward, E. L. / Butler, Rohan (Hrsg.): Documents on British Foreign Policy 1919-1939, London: HMSO 1954, Document No. 447, S. 343 ff. [25]Auswärtiges Amt: Dokumente zur Vorgeschichte des Krieges, Berlin: Carl Heymanns Verlag 1939, Dokument Nr. 463, S. 299 f.

Auszug aus dem Memorandum:[26]Woodward, E. L. / Butler, Rohan (Hrsg.): Documents on British Foreign Policy 1919-1939, London: HMSO 1954, Document No. 447, S. 343 ff. [27]Auswärtiges Amt: Dokumente zur Vorgeschichte des Krieges, Berlin: Carl Heymanns Verlag 1939, Dokument Nr. 463, S. 299 f. [28]Woodward, E. L. / Butler, Rohan (Hrsg.): Documents on British Foreign Policy 1919-1939, London: HMSO 1954, Document No. 426, S. 330 ff.

[…]

Nach Ansicht Seiner Majestät Regierung folgt hieraus, daß als nächster Schritt direkte Verhandlungen zwischen der Deutschen und Polnischen Regierung eingeleitet werden sollten auf einer Grundlage, die die obenerwähnten Grundsätze einschließen würde, nämlich die Sicherstellung der unentbehrlichen Interessen Polens und die Sicherstellung des Abkommens durch eine Internationale Garantie. Seiner Majestät Regierung hat bereits eine definitive Zusicherung von der Polnischen Regierung erhalten, daß diese bereit ist, auf dieser Grundlage in Besprechungen einzutreten, und Seiner Majestät Regierung hofft, daß die Deutsche Regierung ihrerseits ebenfalls bereit sein würde, einem solchen Verfahren zuzustimmen.

[…]

5. Seiner Majestät Regierung stimmt mit dem Herrn Reichskanzler darin überein, daß eine der hauptsächlichsten Gefahren in der zwischen Deutschland und Polen bestehenden Lage in Berichten über die Behandlung der Minderheiten ihren Ursprung hat. Der gegenwärtige Spannungszustand, zusammen mit den ihn begleitenden Grenzzwischenfällen, Berichten über Mißhandlungen und der aufreizenden Propaganda ist eine ständige Gefahr für den Frieden. Es ist offensichtlich eine Frage äußerster Dringlichkeit, daß alle Zwischenfälle dieser Art unverzüglich und mit fester Hand unterdrückt werden, und daß die Verbreitung unbestätigter Gerüchte verhindert wird, um eine Frist zu erlangen, in der ohne Provokation auf beiden Seiten eine eingehende Prüfung der Möglichkeiten einer Lösung unternommen werden könnte. Seiner Majestät Regierung ist überzeugt, daß beide beteiligten Regierungen sich dieser Erwägung völlig bewußt sind.

[…]

. Seiner Majestät Regierung hat bereits eine definitive Zusicherung von der Polnischen Regierung erhalten, daß diese bereit ist, auf dieser Grundlage in Besprechungen einzutreten” STIMMT NICHT??

Nachdem Hitler das Memorandum gelesen hatte, kam es zu einer Diskussion zwischen Henderson und Hitler.[29]Woodward, E. L. / Butler, Rohan (Hrsg.): Documents on British Foreign Policy 1919-1939, London: HMSO 1954, Document No. 455, S. 351 ff. Hitler sagte, dass er bereit sei mit den Polen zu verhandeln, wenn diese vernünftig sein würden.[30]Woodward, E. L. / Butler, Rohan (Hrsg.): Documents on British Foreign Policy 1919-1939, London: HMSO 1954, Document No. 455, S. 351 ff. Sein großzügiges Angebot im März, könne er nicht wiederholen, sondern müsse auf dem ganzen Korridor, Danzig und einer Korrektur Schlesiens bestehen.[31]Woodward, E. L. / Butler, Rohan (Hrsg.): Documents on British Foreign Policy 1919-1939, London: HMSO 1954, Document No. 455, S. 351 ff. 90% der Schlesier hätten nach dem Krieg für Deutschland gestimmt, doch Polen hätte durch den Haller-Korfanti Putsch sich das Abstimmungsgebiet dennoch einverleibt.[32]Woodward, E. L. / Butler, Rohan (Hrsg.): Documents on British Foreign Policy 1919-1939, London: HMSO 1954, Document No. 455, S. 351 ff. Henderson antwortete ihm, dass der Korridor fast ausschließlich von Polen besiedelt war, worauf Hitler antwortete, dass dies lediglich der Fall war, weil bereits eine Millionen Deutsche seit Kriegsende aus der Region vertrieben worden waren.[33]Woodward, E. L. / Butler, Rohan (Hrsg.): Documents on British Foreign Policy 1919-1939, London: HMSO 1954, Document No. 455, S. 351 ff. Henderson sagte, dass mehr als ein Korridor durch den Korridor, wie ihn Hitler im März vorgeschlagen hatte, keine Chance auf Akzeptanz haben würde.[34]Woodward, E. L. / Butler, Rohan (Hrsg.): Documents on British Foreign Policy 1919-1939, London: HMSO 1954, Document No. 455, S. 351 ff. Hitler erwiderte, dass eben dieses ursprüngliches Angebot von dem Polen abgelehnt worden war und er es nicht wiederholen würde.[35]Woodward, E. L. / Butler, Rohan (Hrsg.): Documents on British Foreign Policy 1919-1939, London: HMSO 1954, Document No. 455, S. 351 ff. Henderson erwiderte wiederum, dass es abgelehnt worden war, da es in Form eines Diktats getätigt worden wäre.[36]Woodward, E. L. / Butler, Rohan (Hrsg.): Documents on British Foreign Policy 1919-1939, London: HMSO 1954, Document No. 455, S. 351 ff. Hitler wiederholte sein Argument, dass die Polen nicht vernünftig sein könnten, da sie Englands und Frankreichs militärische Unterstützung besäßen und die Polen dächten, dass selbst wenn sie geschlagen werden würde, sie aufgrund der Hilfe Großbritanniens und Frankreichs sich wieder erholen würde und am Ende mehr gewinnen als verlieren würde.[37]Woodward, E. L. / Butler, Rohan (Hrsg.): Documents on British Foreign Policy 1919-1939, London: HMSO 1954, Document No. 455, S. 351 ff.

Am 29. August um 10:30 Uhr[38]Woodward, E. L. / Butler, Rohan (Hrsg.): Documents on British Foreign Policy 1919-1939, London: HMSO 1954, Document No. 514, S. 395 f. sprach Dahlerus mit Göring.[39]Woodward, E. L. / Butler, Rohan (Hrsg.): Documents on British Foreign Policy 1919-1939, London: HMSO 1954, Document No. 467, S. 360 f. [40]Woodward, E. L. / Butler, Rohan (Hrsg.): Documents on British Foreign Policy 1919-1939, London: HMSO 1954, Document No. 514, S. 395 f. Das Deutsche Reich würde, so Göring, nicht mehr als Danzig und einen Teil des Korridors verlangen.[41]Woodward, E. L. / Butler, Rohan (Hrsg.): Documents on British Foreign Policy 1919-1939, London: HMSO 1954, Document No. 467, S. 360 f.

Am 29. August um 18:45[42]Auswärtiges Amt: Dokumente zur Vorgeschichte des Krieges, Berlin: Carl Heymanns Verlag 1939, Dokument Nr. 464, S. 300 f. oder um 19:15[43]Woodward, E. L. / Butler, Rohan (Hrsg.): Documents on British Foreign Policy 1919-1939, London: HMSO 1954, Document No. 490, S. 374 f. wurde dem britischen Botschafter die Antwort des deutschen Reichskanzlers übergeben.[44]Woodward, E. L. / Butler, Rohan (Hrsg.): Documents on British Foreign Policy 1919-1939, London: HMSO 1954, Document No. 490, S. 374 f. [45]Auswärtiges Amt: Dokumente zur Vorgeschichte des Krieges, Berlin: Carl Heymanns Verlag 1939, Dokument Nr. 464, S. 300 f. In dieser beschwert sich die deutsche Regierung erneut über die Zustände an der deutsch-polnischen Grenze, sowie polnische Übergriffen auf die deutsche Minderheit in Polen sowie auf Danzig, nimmt jedoch den Vorschlag unter gewissen Voraussetzungen an (siehe unten).[46]Auswärtiges Amt: Dokumente zur Vorgeschichte des Krieges, Berlin: Carl Heymanns Verlag 1939, Dokument Nr. 464, S. 300 f. [47]Woodward, E. L. / Butler, Rohan (Hrsg.): Documents on British Foreign Policy 1919-1939, London: HMSO 1954, Document No. 502, S. 388 ff. Es wird ebenfalls darauf hingewiesen, “daß es sich hier nicht mehr um Zustände handelt, zu deren Beseitigung Tage oder gar Wochen, sondern vielleicht nur Stunden zur Verfügung stehen.”[48]Auswärtiges Amt: Dokumente zur Vorgeschichte des Krieges, Berlin: Carl Heymanns Verlag 1939, Dokument Nr. 464, S. 300 f. [49]Woodward, E. L. / Butler, Rohan (Hrsg.): Documents on British Foreign Policy 1919-1939, London: HMSO 1954, Document No. 502, S. 388 ff.

Auszug aus der Antwort:[50]Auswärtiges Amt: Dokumente zur Vorgeschichte des Krieges, Berlin: Carl Heymanns Verlag 1939, Dokument Nr. 464, S. 300 f.

[…]

Die Forderung der Deutschen Reichsregierung entspricht der von Anfang an als notwendig erkannten Revision des Versailler Vertrags in diesem Gebiet; Rückkehr von Danzig und dem Korridor an Deutschland, Sicherung des Lebens der deutschen Volksgruppen in den restlich Polen verbleibenden Gebieten.

[…]

Die Deutsche Reichsregierung ist unter diesen Umständen daher damit einverstanden, die vorgeschlagene Vermittlung der Königlich Britischen Regierung zur Entsendung einer mit allen Vollmachten versehenen polnischen Persönlichkeit nach Berlin anzunehmen. Sie rechnet mit dem Eintreffen dieser Persönlichkeit für Mittwoch, den 30. August 1939.

Die Reichsregierung wird die Vorschläge einer für sie akzeptablen Lösung sofort ausarbeiten und diese, wenn möglich, bis zur Ankunft des polnischen Unterhändlers auch der Britischen Regierung zur Verfügung stellen.

Am 30. August um ca. 16:30 wurde “in Polen durch Anschlag die allgemeine Mobilmachung befohlen.”[51]Auswärtiges Amt: Dokumente zur Vorgeschichte des Krieges, Berlin: Carl Heymanns Verlag 1939, Dokument Nr. 465, S. 302. “Erster Mobilmachungstag ist der 31. August.”[52]Auswärtiges Amt: Dokumente zur Vorgeschichte des Krieges, Berlin: Carl Heymanns Verlag 1939, Dokument Nr. 465, S. 302. Die Anweisung zur Mobilmachung war bereits am Morgen gegeben worden.[53]Woodward, E. L. / Butler, Rohan (Hrsg.): Documents on British Foreign Policy 1919-1939, London: HMSO 1954, Document No. 517, S. 399. Die allgemeine Mobilmachung sollte um Mitternacht vom 30. auf den 31. August beginnen.[54]Woodward, E. L. / Butler, Rohan (Hrsg.): Documents on British Foreign Policy 1919-1939, London: HMSO 1954, Document No. 527, S. 404.

Um 24 Uhr am 30. Augusts überreichte Henderson dem deutschen Reichsminister des Äußeren Ribbentrop ein Memorandum der britischen Regierung als Antwort auf die von Hitler am 29. August gegebene Zustimmung zu Verhandlungen (siehe oben).[55]Auswärtiges Amt: Dokumente zur Vorgeschichte des Krieges, Berlin: Carl Heymanns Verlag 1939, Dokument Nr. 466, S. 302 ff. [56]Woodward, E. L. / Butler, Rohan (Hrsg.): Documents on British Foreign Policy 1919-1939, London: HMSO 1954, Document No. 570, S. 429 f. Entgegen den vom Deutschen Reich vorgeschlagenen Entsendung eines polnischen Unterhändlers (sieh oben), entsinnt die britische Regierung einen mehrteiligen Verhandlungsprozess und drängt in der Zwischenzeit dazu “keine aggressiven militärischen Bewegungen” durchzuführen.[57]Auswärtiges Amt: Dokumente zur Vorgeschichte des Krieges, Berlin: Carl Heymanns Verlag 1939, Dokument Nr. 466, S. 302 ff. [58]Woodward, E. L. / Butler, Rohan (Hrsg.): Documents on British Foreign Policy 1919-1939, London: HMSO 1954, Document No. 543, S. 413 f.

Auszug aus dem Memorandum:[59]Auswärtiges Amt: Dokumente zur Vorgeschichte des Krieges, Berlin: Carl Heymanns Verlag 1939, Dokument Nr. 466, S. 302 ff. [60]Woodward, E. L. / Butler, Rohan (Hrsg.): Documents on British Foreign Policy 1919-1939, London: HMSO 1954, Document No. 543, S. 413 f.

[…]

7. Die Regierung Seiner Majestät wird die Polnische Regierung sofort von der Antwort der Deutschen Regierung verständigen. Die Art der Fühlungnahme und die Vorbereitungen für einen Meinungsaustausch müssen selbstverständlich in aller Eile zwischen der Deutschen und der Polnischen Regierung vereinbart werden. Die Regierung Seiner Majestät ist jedoch der Ansicht, daß es untunlich wäre, diese Fühlungnahme schon heute herzustellen.

8. Die Regierung Seiner Majestät erkennt voll an, daß bei der Aufnahme der Verhandlungen Eile geboten ist, und teilt die Befürchtungen des Herrn Reichskanzlers, die sich aus dem Umstand ergeben, daß zwei mobilisierte Armeen sich in allernächster Nähe gegenüberstehen. Sie möchte daher auf das dringendste nahelegen, daß beide Parteien sich verpflichten, daß während der Verhandlungen keine aggressiven militärischen Bewegungen stattfinden. Die Regierung Seiner Majestät vertraut darauf, daß sie von der Polnischen Regierung eine derartige Zusage erhalten würde, wenn die Deutsche Regierung eine gleichartige Versicherung abgeben wollte.

[…]

Nach Überreichung des Memorandums kam es zu einer Diskussion zwischen Henderson und Ribbentrop.[61]Auswärtiges Amt: Dokumente zur Vorgeschichte des Krieges, Berlin: Carl Heymanns Verlag 1939, Dokument Nr. 466, S. 302 ff. Henderson wies im Auftrag seiner Regierung Ribbentrop auf Gerüchte von deutschen Sabotageakten in Polen hin, welche Ribbentrop zurückwies und gleichzeitig Polen solcher Akte bezichtigte.[62]Auswärtiges Amt: Dokumente zur Vorgeschichte des Krieges, Berlin: Carl Heymanns Verlag 1939, Dokument Nr. 466, S. 302 ff. Des weiteren erklärte Henderson, dass die britische Regierung Polen nicht empfehlen könne einen, wie vom Deutschen Reich vorgeschlagenen, bevollmächtigten Unterhändler zu entsenden und empfahl der deutschen Reichsregierung stattdessen, die Verhandlungen durch das Übermitteln der deutschen Vorschläge an Polen einzuleiten.[63]Auswärtiges Amt: Dokumente zur Vorgeschichte des Krieges, Berlin: Carl Heymanns Verlag 1939, Dokument Nr. 466, S. 302 ff. Alternativ könnte auch die britische Regierung die deutschen Vorschläge, wenn angemessen, an Polen weiterleiten.[64]Auswärtiges Amt: Dokumente zur Vorgeschichte des Krieges, Berlin: Carl Heymanns Verlag 1939, Dokument Nr. 466, S. 302 ff. Ribbentrop antwortete, dass die Vorschläge schon ausgefertigt wurden, die britische Vermittlung jedoch soweit nur zur polnischen Generalmobilmachung geführt habe (siehe oben).[65]Auswärtiges Amt: Dokumente zur Vorgeschichte des Krieges, Berlin: Carl Heymanns Verlag 1939, Dokument Nr. 466, S. 302 ff. Da man einen polnischen Unterhändler am heutigen Tag erwartet hatte, seien die Vorschläge jetzt abgelaufen,[66]Auswärtiges Amt: Dokumente zur Vorgeschichte des Krieges, Berlin: Carl Heymanns Verlag 1939, Dokument Nr. 466, S. 302 ff. trotzdem laß Ribbentrop die von Hitler ausgefertigten Vorschläge vor (siehe 16-Punkte Plan).[67]Auswärtiges Amt: Dokumente zur Vorgeschichte des Krieges, Berlin: Carl Heymanns Verlag 1939, Dokument Nr. 466, S. 302 ff. [68]Woodward, E. L. / Butler, Rohan (Hrsg.): Documents on British Foreign Policy 1919-1939, London: HMSO 1954, Document No. 574, S. 432 f. Henderson und Ribbentrop stritten sich darum ob die Forderung Hitlers vom 29. August einem Ultimatum gleichkämen.[69]Auswärtiges Amt: Dokumente zur Vorgeschichte des Krieges, Berlin: Carl Heymanns Verlag 1939, Dokument Nr. 466, S. 302 ff. Den Vorschlag Hendersons, den polnischen Botschafter herbeizubestellen und ihm die deutschen Vorschläge zu übergeben, lehnte Ribbentrop ab.[70]Auswärtiges Amt: Dokumente zur Vorgeschichte des Krieges, Berlin: Carl Heymanns Verlag 1939, Dokument Nr. 466, S. 302 ff. [71]Woodward, E. L. / Butler, Rohan (Hrsg.): Documents on British Foreign Policy 1919-1939, London: HMSO 1954, Document No. 574, S. 432 f.

Die 16-Punkte hätten vorgeschlagen Danzig ans Reich anzugliedern, den Korridor in Nord und Süd zu teilen und nur im Norden eine Abstimmung über den Verbleib in Polen oder die Angliederung ans Reich durchzuführen.[72]Auswärtiges Amt: Dokumente zur Vorgeschichte des Krieges, Berlin: Carl Heymanns Verlag 1939, Dokument Nr. 466, S. 302 ff. [73]Woodward, E. L. / Butler, Rohan (Hrsg.): Documents on British Foreign Policy 1919-1939, London: HMSO 1954, Document No. 622, S. 459 ff. Die in der Abstimmung unterlegene Partei, hätte zum Ausgleich eine Zuglinie und Autobahn über das dann dem anderen zugehörige Gebiet bekommen.[74]Auswärtiges Amt: Dokumente zur Vorgeschichte des Krieges, Berlin: Carl Heymanns Verlag 1939, Dokument Nr. 466, S. 302 ff. [75]Woodward, E. L. / Butler, Rohan (Hrsg.): Documents on British Foreign Policy 1919-1939, London: HMSO 1954, Document No. 622, S. 459 ff.

Visualisierung der Kernaussage der 16-Punkte, Quelle momentan noch unbekannt.

Um 0:30 Uhr des 31. Augusts traf Dahlerus bei Göring ein,[76]Dahlerus, Birger: Der Letzte Versuch. London-Berlin Sommer 1939, München: Nymphenburger Verlagshandlung 1948, S. 104. von dem er dann über den 16-Punkte Plan informiert wurde,[77]Dahlerus, Birger: Der Letzte Versuch. London-Berlin Sommer 1939, München: Nymphenburger Verlagshandlung 1948, S. 105. der in diesem Augenblick Henderson von Ribbentrop vorgelesen wurde (siehe oben). Dahlerus rief nun von Görings Schreibtisch aus Forbes an, um sich zu erkundigen, wie das Ribbentrop-Henderson Treffen verlaufen sei.[78]Dahlerus, Birger: Der Letzte Versuch. London-Berlin Sommer 1939, München: Nymphenburger Verlagshandlung 1948, S. 106. Forbes gab die Eindrücke Hendersons an Dahlerus weiter, unter anderem dass Ribbentrop die 16-Punkte zu schnell vorgelesen habe und sich danach, mit Verweis auf Ablauf der Frist, geweigert hatte Henderson eine Kopie auszuhändigen.[79]Dahlerus, Birger: Der Letzte Versuch. London-Berlin Sommer 1939, München: Nymphenburger Verlagshandlung 1948, S. 106f. Dahlerus sagte daraufhin zu Göring: “Wenn es aufrichtig Ihr Wunsch und Ihre Absicht ist, mit England zu einer Verständigung zu kommen und den Grund für eine künftige Zusammenarbeit zu legen, dann ist es notwendig Ribbentrops Fehler sofort dadurch gutzumachen, daß die englische Botschaft von der Note an Polen Kenntnis erhält.”[80]Dahlerus, Birger: Der Letzte Versuch. London-Berlin Sommer 1939, München: Nymphenburger Verlagshandlung 1948, S. 107. Göring legte Dahlerus seine Kopie der 16-Punkte vor und dieser gab sie telefonisch an Forbes weiter.[81]Dahlerus, Birger: Der Letzte Versuch. London-Berlin Sommer 1939, München: Nymphenburger Verlagshandlung 1948, S. 107.

Um 10 Uhr traf Dahlerus sich mit Henderson, der die 16-Punkte richtig Forbes empfangen hatte.[82]Dahlerus, Birger: Der Letzte Versuch. London-Berlin Sommer 1939, München: Nymphenburger Verlagshandlung 1948, S. 108 f. Beide fuhren anschließend zur polnischen Botschaft[83]Dahlerus, Birger: Der Letzte Versuch. London-Berlin Sommer 1939, München: Nymphenburger Verlagshandlung 1948, S. 110. und unterhielten sich mit Lipski.[84]Dahlerus, Birger: Der Letzte Versuch. London-Berlin Sommer 1939, München: Nymphenburger Verlagshandlung 1948, S. 110. [85]Woodward, E. L. / Butler, Rohan (Hrsg.): Documents on British Foreign Policy 1919-1939, London: HMSO 1954, Document No. 574, S. 432 f. Dieser bat sie darum ihm die 16 Punkte vorzulesen, hatte jedoch Schwierigkeiten diese in auditiver sowohl als auch handschriftlicher Form zu verstehen, weshalb sie schließlich über Lipskis Sekretärin in eine Schreibmaschine getippt wurden.[86]Dahlerus, Birger: Der Letzte Versuch. London-Berlin Sommer 1939, München: Nymphenburger Verlagshandlung 1948, S. 110.

Dahlerus hielt an dieser Stelle in seinen Erinnerungen folgendes fest:[87]Dahlerus, Birger: Der Letzte Versuch. London-Berlin Sommer 1939, München: Nymphenburger Verlagshandlung 1948, S. 110.

“Auf dem Rückweg erzählte mir Forbes etwas, das mich erschreckte: Während ich der Sekretärin diktierte, hatte Lipski Forbes mitgeteilt, daß er in keiner Weise Anlaß habe, sich für Noten oder Angebote von deutscher Seite zu interessieren.[88]Woodward, E. L. / Butler, Rohan (Hrsg.): Documents on British Foreign Policy 1919-1939, London: HMSO 1954, Document No. 597, S. 445 f. Er kenne die Lage in Deutschland nach seiner fünfeinhalbjährigen Tätigkeit als Botschafter gut und habe intime Verbindung mit Göring und anderen aus den maßgebenden Kreisen; er erklärte, davon überzeugt zu sein, daß im Fall eines Krieges Unruhen in diesem Land ausbrechen[89]Woodward, E. L. / Butler, Rohan (Hrsg.): Documents on British Foreign Policy 1919-1939, London: HMSO 1954, Document No. 597, S. 445 f. und die polnischen Truppen erfolgreich gegen Berlin marschieren würden.”

Am 31. August besuchte Dahlerus um kurz vor 13 Uhr Göring in seinem Berliner Arbeitszimmer.[90]Dahlerus, Birger: Der Letzte Versuch. London-Berlin Sommer 1939, München: Nymphenburger Verlagshandlung 1948, S. 111. Kurz nach seiner Ankunft empfing Göring “einen Umschlag des Auswärtigen Amtes, der eben mit Eilkurier gekommen war.”[91]Dahlerus, Birger: Der Letzte Versuch. London-Berlin Sommer 1939, München: Nymphenburger Verlagshandlung 1948, S. 111. Nachdem Göring den Inhalt gelesen hatte erklärte er die “Deutschen hätten, […] ein in Berlin 12 Uhr 45 eingegangenes Chiffretelegranım der polnischen Regierung in Warschau an Lipski aufgefangen. Er hatte eine Abschrift der deutschen Übersetzung dieses Telegramms bekommen und hatte nun Gelegenheit, mit Nachdruck zu betonen, daß es der Fehler der Polen und nicht Ribbentrops sei, wenn keine Verhandlungen zustande kämen.”[92]Dahlerus, Birger: Der Letzte Versuch. London-Berlin Sommer 1939, München: Nymphenburger Verlagshandlung 1948, S. 112. Göring schrieb das Telegramm zusammenfassend ab und gab die Abschrift Dahlerus mit:[93]Dahlerus, Birger: Der Letzte Versuch. London-Berlin Sommer 1939, München: Nymphenburger Verlagshandlung 1948, S. 112-116.

Die Echtheit dieses abgefangenen Telegramms, welches vom polnischen Außenminister Josef Beck an Lipski gesendet wurde, konnte seither durch die vollständige Veröffentlichung desselbigen in Lipskis Memoiren bestätigt werden.[94]Das polnische Weißbuch Schnitt den Teil ab “Ende der Erklärung…” raus (siehe auch Dokument Nr. 110), aber das vollständige Telegramm ist enthalten in: Jędrzejewicz, Wacław … Weiterlesen

Text des besagten Telegramms (Übersetzung):[95]Jędrzejewicz, Wacław (Hrsg.): Diplomat in Berlin 1933-1939. Papers and Memoirs of Józef Lipski, Ambassador of Poland, New York; London: Columbia University Press 1968, Document 161, S. 572.

Telefonogramm zum polnischen Botschafter in Berlin
Warschau, 31. August 1939

Bitte fordern Sie in Bezug auf Ihre Berichte eine Unterredung mit dem Außenminister oder dem Staatssekretär an und teilen Sie ihm dies wie folgt mit:

Gestern Abend wurde die polnische Regierung von der britischen Regierung über einen Meinungsaustausch mit der Reichsregierung über die Möglichkeit einer direkten Verständigung zwischen der polnischen und der deutschen Regierung unterrichtet.

Die polnische Regierung prüft den Vorschlag der britischen Regierung positiv und wird ihr spätestens in den nächsten Stunden eine formelle Antwort zu diesem Thema geben.

Ende der Erklärung für das Außenministerium. Nächste Passage zur Information des Botschafters.

Bitte beteiligen Sie sich nicht an konkreten Diskussionen, und wenn die Deutschen konkrete Forderungen stellen, sagen Sie, sie seien nicht befugt, sie anzunehmen oder zu diskutieren und müssen Ihre Regierung um weitere Anweisungen bitten.

Am 31. August trafen sich Göring, Henderson, Forbes und Dahlerus[96]Woodward, E. L. / Butler, Rohan (Hrsg.): Documents on British Foreign Policy 1919-1939, London: HMSO 1954, Document No. 613, S. 453 f. um 16:50 Uhr in Görings Residenz.[97]Dahlerus, Birger: Der Letzte Versuch. London-Berlin Sommer 1939, München: Nymphenburger Verlagshandlung 1948, S. 119. “Göring schlug vor, Verhandlungen zwischen Deutschland und England einzuleiten,[98]Woodward, E. L. / Butler, Rohan (Hrsg.): Documents on British Foreign Policy 1919-1939, London: HMSO 1954, Document No. 643, S. 476. wobei England auch für Polen auftreten solle. […] Göring legte das aufgefangene Chiffretelegramm der polnischen Regierung an Lipski als Beweis dafür vor, daß die Polen jede Möglichkeit einer Verständigung sabotierten und daß Deutschland unter solchen Verhältnissen nicht gut zu einer Regelung mit Polen kommen könnte.”[99]Dahlerus, Birger: Der Letzte Versuch. London-Berlin Sommer 1939, München: Nymphenburger Verlagshandlung 1948, S. 120. “Henderson erklärte sich bereit, seiner Regierung Görings Vorschlag […] mitzuteilen…”[100]Dahlerus, Birger: Der Letzte Versuch. London-Berlin Sommer 1939, München: Nymphenburger Verlagshandlung 1948, S. 120.

Obwohl Ribbentrop es zuvor abgelehnt hatte sich nochmal mit Lipski zu treffen (siehe das nächtliche Gespräch mit Henderson oben), trafen sich die beiden Diplomaten am 31. August um 18:30 Uhr,[101]Dahlerus, Birger: Der Letzte Versuch. London-Berlin Sommer 1939, München: Nymphenburger Verlagshandlung 1948, S. 120. jedoch erfolglos,[102]Dahlerus, Birger: Der Letzte Versuch. London-Berlin Sommer 1939, München: Nymphenburger Verlagshandlung 1948, S. 121. da der polnische Botschafter keine Verhandlungsvollmacht besaß.[103]Auswärtiges Amt: Dokumente zur Vorgeschichte des Krieges, Berlin: Carl Heymanns Verlag 1939, Dokument Nr. 468, S. 306.

Um 21 Uhr wurde eine Amtliche Deutsche Mitteilung veröffentlicht, die über das nächtliche Gespräch berichtete.[104]Auswärtiges Amt: Dokumente zur Vorgeschichte des Krieges, Berlin: Carl Heymanns Verlag 1939, Dokument Nr. 468, S. 306. Die Mitteilung sieht die polnische Generalmobilmachung als Antwort auf die von Hitler am 29. August geäußerte Verhandlungsbereitschaft (siehe oben).[105]Auswärtiges Amt: Dokumente zur Vorgeschichte des Krieges, Berlin: Carl Heymanns Verlag 1939, Dokument Nr. 468, S. 306. [106]Woodward, E. L. / Butler, Rohan (Hrsg.): Documents on British Foreign Policy 1919-1939, London: HMSO 1954, Document No. 619, S. 457 f. Sie beklagt außerdem die lange Zeit, die bis zum Eintreffen der britische Antwort verstrichen war.[107]Auswärtiges Amt: Dokumente zur Vorgeschichte des Krieges, Berlin: Carl Heymanns Verlag 1939, Dokument Nr. 468, S. 306. [108]Woodward, E. L. / Butler, Rohan (Hrsg.): Documents on British Foreign Policy 1919-1939, London: HMSO 1954, Document No. 619, S. 457 f.

Auszug aus der Mitteilung:[109]Auswärtiges Amt: Dokumente zur Vorgeschichte des Krieges, Berlin: Carl Heymanns Verlag 1939, Dokument Nr. 468, S. 306.

[…]

Statt eine Erklärung über das Eintreffen einer autorisierten polnischen Persönlichkeit erhielt die Reichsregierung als Antwort auf ihre Verständigungsbereitschaft zunächst die Nachricht der polnischen Mobilmachung und erst am 30. August 1939 gegen 12 Uhr nachts eine mehr allgemein gehaltene britische Versicherung der Bereitwilligkeit, ihrerseits auf den Beginn von Verhandlungen hinwirken zu wollen.

Trotzdem durch das Ausbleiben des von der Reichsregierung erwarteten polnischen Unterhändlers die Voraussetzung entfallen war, der Britischen Regierung noch eine Kenntnis über die Auffassung der Deutschen Regierung in bezug auf mögliche Verhandlungsgrundlagen zu geben, da die Britische Regierung ja selbst für direkte Verhandlungen zwischen Deutschland und Polen plädiert hatte, gab Reichsaußenminister v. Ribbentrop dem Britischen Botschafter anläßlich der Übergabe der letzten englischen Note eine genaue Kenntnis des Wortlautes der für den Fall des Eintreffens des polnischen Bevollmächtigten als Verhandlungsgrundlage vorgesehenen deutschen Vorschläge.

Die Deutsche Reichsregierung glaubte ein Recht darauf zu haben, daß unter diesen Umständen wenigstens nachträglich die sofortige Benennung einer polnischen Persönlichkeit stattfinden würde. Denn es ist der Reichsregierung nicht zuzumuten, ihrerseits fortgesetzt die Bereitwilligkeit zur Inangriffnahme solcher Verhandlungen nicht nur zu betonen, sondern auch dafür bereitzusitzen, von der polnischen Seite aber nur mit leeren Ausflüchten und nichtssagenden Erklärungen hingehalten zu werden.

Aus einer inzwischen stattgefundenen Demarche des Polnischen Botschafters geht erneut hervor, daß auch dieser nicht bevollmächtigt ist, in irgendeine Diskussion einzutreten oder gar zu verhandeln.

Somit haben der Führer und die Deutsche Reichsregierung nun 2 Tage vergeblich auf das Eintreffen eines bevollmächtigten polnischen Unterhändlers gewartet.

[…]

Als Antwort wurde im polnischen Rundfunksender in Warschau um 23 Uhr eine Meldung ausgestrahlt, welche die amtliche deutsche Mitteilung als Beweis “offener Aggressionsabsichten” bezeichnet und Deutschland bezichtigt nach der “Herrschaft über Europa” zu streben.[110]Auswärtiges Amt: Dokumente zur Vorgeschichte des Krieges, Berlin: Carl Heymanns Verlag 1939, Dokument Nr. 469, S. 306 f.

Wortlaut der Meldung ohne die Zusammenfassung der 16-Punkte (Übersetzung):[111]Auswärtiges Amt: Dokumente zur Vorgeschichte des Krieges, Berlin: Carl Heymanns Verlag 1939, Dokument Nr. 469, S. 306 f.

Die heutige Bekanntmachung des deutschen offiziellen Communiqués hat die Ziele und Absichten der deutschen Politik klar gezeigt. Es beweist die offenen Aggressionsabsichten Deutschlands gegenüber Polen. Die Bedingungen, unter denen das Dritte Reich bereit ist, mit Polen zu verhandeln, lauten:

[Zusammenfassung des 16-Punkte Plans]

Die deutsche Agentur gibt bekannt, daß der Termin für die Annahme dieser Bedingungen gestern abgelaufen ist. Deutschland hat vergeblich auf einen Abgesandten Polens gewartet. Die Antwort waren die militärischen Anordnungen der Polnischen Regierung.

Keine Worte können jetzt mehr die Aggressionspläne der neuen Hunnen verschleiern. Deutschland strebt die Herrschaft über Europa an und durchstreicht mit einem bisher nicht dagewesenen Zynismus die Rechte der Völker. Dieser unverschämte Vorschlag beweist deutlich, wie notwendig die militärischen Anordnungen der Polnischen Regierung gewesen sind.

Folgen

Siehe Polenfeldzug.

Siehe Zweiter Weltkrieg: Westfront.

Quellenangaben

Quellenangaben
1 Auswärtiges Amt: Dokumente zur Vorgeschichte des Krieges, Berlin: Carl Heymanns Verlag 1939, Dokument Nr. 457, S. 293 f.
2, 4, 6, 8 Woodward, E. L. / Butler, Rohan (Hrsg.): Documents on British Foreign Policy 1919-1939, London: HMSO 1954, Document No. 283, S. 227 ff.
3 Auswärtiges Amt: Dokumente zur Vorgeschichte des Krieges, Berlin: Carl Heymanns Verlag 1939, Dokument Nr. 457, S. 293 f.
5, 7, 9 Auswärtiges Amt: Dokumente zur Vorgeschichte des Krieges, Berlin: Carl Heymanns Verlag 1939, Dokument Nr. 457, S. 293 f.
10 Woodward, E. L. / Butler, Rohan (Hrsg.): Documents on British Foreign Policy 1919-1939, London: HMSO 1954, Document No. 309, S. 249 f.
11 Auswärtiges Amt: Dokumente zur Vorgeschichte des Krieges, Berlin: Carl Heymanns Verlag 1939, Dokument Nr. 459, S. 294 ff.
12 Auswärtiges Amt: Dokumente zur Vorgeschichte des Krieges, Berlin: Carl Heymanns Verlag 1939, Dokument Nr. 459, S.294 ff.
13 Auswärtiges Amt: Dokumente zur Vorgeschichte des Krieges, Berlin: Carl Heymanns Verlag 1939, Dokument Nr. 460, S. 296 f.
14 Auswärtiges Amt: Dokumente zur Vorgeschichte des Krieges, Berlin: Carl Heymanns Verlag 1939, Dokument Nr. 461, S. 297 f.
15 Woodward, E. L. / Butler, Rohan (Hrsg.): Documents on British Foreign Policy 1919-1939, London: HMSO 1954, Document No. 391, S. 311.
16 Woodward, E. L. / Butler, Rohan (Hrsg.): Documents on British Foreign Policy 1919-1939, London: HMSO 1954, Document No. 405, S. 321.
17 Woodward, E. L. / Butler, Rohan (Hrsg.): Documents on British Foreign Policy 1919-1939, London: HMSO 1954, Document No. 415, S. 326.
18 Woodward, E. L. / Butler, Rohan (Hrsg.): Documents on British Foreign Policy 1919-1939, London: HMSO 1954, Document No. 424, S. 329 f.
19, 21 Woodward, E. L. / Butler, Rohan (Hrsg.): Documents on British Foreign Policy 1919-1939, London: HMSO 1954, Document No. 501, S. 386 ff.
20, 29, 30, 31, 32, 33, 34, 35, 36, 37 Woodward, E. L. / Butler, Rohan (Hrsg.): Documents on British Foreign Policy 1919-1939, London: HMSO 1954, Document No. 455, S. 351 ff.
22, 25, 27 Auswärtiges Amt: Dokumente zur Vorgeschichte des Krieges, Berlin: Carl Heymanns Verlag 1939, Dokument Nr. 463, S. 299 f.
23, 28 Woodward, E. L. / Butler, Rohan (Hrsg.): Documents on British Foreign Policy 1919-1939, London: HMSO 1954, Document No. 426, S. 330 ff.
24, 26 Woodward, E. L. / Butler, Rohan (Hrsg.): Documents on British Foreign Policy 1919-1939, London: HMSO 1954, Document No. 447, S. 343 ff.
38, 40 Woodward, E. L. / Butler, Rohan (Hrsg.): Documents on British Foreign Policy 1919-1939, London: HMSO 1954, Document No. 514, S. 395 f.
39, 41 Woodward, E. L. / Butler, Rohan (Hrsg.): Documents on British Foreign Policy 1919-1939, London: HMSO 1954, Document No. 467, S. 360 f.
42, 45, 46, 48, 50 Auswärtiges Amt: Dokumente zur Vorgeschichte des Krieges, Berlin: Carl Heymanns Verlag 1939, Dokument Nr. 464, S. 300 f.
43, 44 Woodward, E. L. / Butler, Rohan (Hrsg.): Documents on British Foreign Policy 1919-1939, London: HMSO 1954, Document No. 490, S. 374 f.
47, 49 Woodward, E. L. / Butler, Rohan (Hrsg.): Documents on British Foreign Policy 1919-1939, London: HMSO 1954, Document No. 502, S. 388 ff.
51 Auswärtiges Amt: Dokumente zur Vorgeschichte des Krieges, Berlin: Carl Heymanns Verlag 1939, Dokument Nr. 465, S. 302.
52 Auswärtiges Amt: Dokumente zur Vorgeschichte des Krieges, Berlin: Carl Heymanns Verlag 1939, Dokument Nr. 465, S. 302.
53 Woodward, E. L. / Butler, Rohan (Hrsg.): Documents on British Foreign Policy 1919-1939, London: HMSO 1954, Document No. 517, S. 399.
54 Woodward, E. L. / Butler, Rohan (Hrsg.): Documents on British Foreign Policy 1919-1939, London: HMSO 1954, Document No. 527, S. 404.
55, 57, 59, 61, 62, 63, 64, 65, 66, 67, 69, 70, 72, 74 Auswärtiges Amt: Dokumente zur Vorgeschichte des Krieges, Berlin: Carl Heymanns Verlag 1939, Dokument Nr. 466, S. 302 ff.
56 Woodward, E. L. / Butler, Rohan (Hrsg.): Documents on British Foreign Policy 1919-1939, London: HMSO 1954, Document No. 570, S. 429 f.
58, 60 Woodward, E. L. / Butler, Rohan (Hrsg.): Documents on British Foreign Policy 1919-1939, London: HMSO 1954, Document No. 543, S. 413 f.
68, 71, 85 Woodward, E. L. / Butler, Rohan (Hrsg.): Documents on British Foreign Policy 1919-1939, London: HMSO 1954, Document No. 574, S. 432 f.
73, 75 Woodward, E. L. / Butler, Rohan (Hrsg.): Documents on British Foreign Policy 1919-1939, London: HMSO 1954, Document No. 622, S. 459 ff.
76 Dahlerus, Birger: Der Letzte Versuch. London-Berlin Sommer 1939, München: Nymphenburger Verlagshandlung 1948, S. 104.
77 Dahlerus, Birger: Der Letzte Versuch. London-Berlin Sommer 1939, München: Nymphenburger Verlagshandlung 1948, S. 105.
78 Dahlerus, Birger: Der Letzte Versuch. London-Berlin Sommer 1939, München: Nymphenburger Verlagshandlung 1948, S. 106.
79 Dahlerus, Birger: Der Letzte Versuch. London-Berlin Sommer 1939, München: Nymphenburger Verlagshandlung 1948, S. 106f.
80, 81 Dahlerus, Birger: Der Letzte Versuch. London-Berlin Sommer 1939, München: Nymphenburger Verlagshandlung 1948, S. 107.
82 Dahlerus, Birger: Der Letzte Versuch. London-Berlin Sommer 1939, München: Nymphenburger Verlagshandlung 1948, S. 108 f.
83, 84, 86, 87 Dahlerus, Birger: Der Letzte Versuch. London-Berlin Sommer 1939, München: Nymphenburger Verlagshandlung 1948, S. 110.
88, 89 Woodward, E. L. / Butler, Rohan (Hrsg.): Documents on British Foreign Policy 1919-1939, London: HMSO 1954, Document No. 597, S. 445 f.
90, 91 Dahlerus, Birger: Der Letzte Versuch. London-Berlin Sommer 1939, München: Nymphenburger Verlagshandlung 1948, S. 111.
92 Dahlerus, Birger: Der Letzte Versuch. London-Berlin Sommer 1939, München: Nymphenburger Verlagshandlung 1948, S. 112.
93 Dahlerus, Birger: Der Letzte Versuch. London-Berlin Sommer 1939, München: Nymphenburger Verlagshandlung 1948, S. 112-116.
94 Das polnische Weißbuch Schnitt den Teil ab “Ende der Erklärung…” raus (siehe auch Dokument Nr. 110), aber das vollständige Telegramm ist enthalten in: Jędrzejewicz, Wacław (Hrsg.): Diplomat in Berlin 1933-1939. Papers and Memoirs of Józef Lipski, Ambassador of Poland, New York; London: Columbia University Press 1968, Document 161, S. 572.
95 Jędrzejewicz, Wacław (Hrsg.): Diplomat in Berlin 1933-1939. Papers and Memoirs of Józef Lipski, Ambassador of Poland, New York; London: Columbia University Press 1968, Document 161, S. 572.
96 Woodward, E. L. / Butler, Rohan (Hrsg.): Documents on British Foreign Policy 1919-1939, London: HMSO 1954, Document No. 613, S. 453 f.
97 Dahlerus, Birger: Der Letzte Versuch. London-Berlin Sommer 1939, München: Nymphenburger Verlagshandlung 1948, S. 119.
98 Woodward, E. L. / Butler, Rohan (Hrsg.): Documents on British Foreign Policy 1919-1939, London: HMSO 1954, Document No. 643, S. 476.
99, 100, 101 Dahlerus, Birger: Der Letzte Versuch. London-Berlin Sommer 1939, München: Nymphenburger Verlagshandlung 1948, S. 120.
102 Dahlerus, Birger: Der Letzte Versuch. London-Berlin Sommer 1939, München: Nymphenburger Verlagshandlung 1948, S. 121.
103, 104, 105, 107, 109 Auswärtiges Amt: Dokumente zur Vorgeschichte des Krieges, Berlin: Carl Heymanns Verlag 1939, Dokument Nr. 468, S. 306.
106, 108 Woodward, E. L. / Butler, Rohan (Hrsg.): Documents on British Foreign Policy 1919-1939, London: HMSO 1954, Document No. 619, S. 457 f.
110 Auswärtiges Amt: Dokumente zur Vorgeschichte des Krieges, Berlin: Carl Heymanns Verlag 1939, Dokument Nr. 469, S. 306 f.
111 Auswärtiges Amt: Dokumente zur Vorgeschichte des Krieges, Berlin: Carl Heymanns Verlag 1939, Dokument Nr. 469, S. 306 f.

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